Rückblick Vortragsreihe Bürgerstiftung 19.01.2026
Erstelldatum27.01.2026
Gespräch über Bäume - Der Apfelbaum - Förster Brucklacher hält interessanten und kurzweiligen Vortrag.
Der Apfel im Spiegel der Geschichte –
Im Rahmen der Vortragsreihe der Bürgerstiftung stand diesmal der Apfelbaum mit seiner Frucht dem Apfel im Mittelpunkt. Unter dem Titel „Gespräch über Bäume - Der Apfelbaum“ nahm Förster Brucklacher die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine ebenso unterhaltsame wie lehrreiche Reise durch die Kultur- und Naturgeschichte dieser besonderen Frucht.
Anschaulich machte der Referent die enorme Bedeutung des Apfelbaums über Jahrtausende hinweg deutlich – als Nahrungsmittel, Kulturgut und Symbol. Einen besonderen Schwerpunkt bildeten die Streuobstwiesen, die inzwischen als UNESCO-Kulturerbe anerkannt sind, unter anderem in Baden-Württemberg. Herr Brucklacher betonte eindringlich, wie wichtig der Erhalt dieser einzigartigen Kulturlandschaften ist. Gleichzeitig machte er deutlich, dass deren Pflege mit großem Arbeitsaufwand verbunden ist und sich leider immer weniger Menschen dieser Aufgabe widmen.
Ein faszinierender Einblick galt dem Ursprungsapfelbaum in Brettach: Aus dem kleinen, sauren Wildapfel sind im Laufe der Zeit rund 3.700 Apfelsorten hervorgegangen. In diesem Zusammenhang ging Herr Brucklacher auch auf gesundheitliche Aspekte ein. Menschen mit Apfelallergien empfahl er, auf alte Sorten zurückzugreifen, die auf Märkten noch erhältlich sind. Viele neu gezüchtete Sorten seien stark verändert, wichtige Inhaltsstoffe seien herausgezüchtet worden und zudem seien sie häufig chemisch belastet.
Historische und kulturelle Bezüge rundeten den Vortrag ab. Seit dem 18./19. Jahrhundert gab es sogar staatliche bzw. landesherrliche Anordnungen, Apfel- und andere Obstbäume entlang von Straßen und Wegen zu pflanzen. Diese Anordnung diente der Bevölkerung u.a. zur Verbesserung der Ernährung, zusätzliche Einnahmequellen für Bauern und Beschattung der Wege.
Auch mit gängigen Mythen räumte er auf: Die verbreitete Annahme, Eva habe Adam mit einem Apfel verführt, sei bibelgeschichtlich nicht belegt – dort ist lediglich von einer „verbotenen Frucht“ die Rede.
Frühere Künstler wie Lucas Cranach stellten in ihren Darstellungen vielmehr den Feigenbaum dar; der Apfel taucht erst später, etwa bei Albrecht Dürer, in der Bildsprache auf.
Auch in der griechischen Mythologie spielt der Apfel eine Rolle – als Liebessymbol ebenso wie als berühmter „Zankapfel“. Der Zankapfel geht auf die Hochzeit des Meeresgott Peleus und die Meeresnymphe Thetis zurück. Alle Götter waren eingeladen außer Eris die Göttin der Zwietracht. Aus Rache warf Eris einen goldenen Apfel in die Festgesellschaft beschriftet mit den Worten „Der Schönsten“. Darauf entbrannte ein Streit wer den Apfel erhalten sollte.
Zum Abschluss des Vortrags schlug Herr Brucklacher eine literarische Brücke und trug Gedichte von Theodor Fontane, Rainer Maria Rilke und Heinz Erhardt vor, die dem Apfel auf ganz unterschiedliche Weise gewidmet sind.
Nach rund hundert Minuten ging ein äußerst kurzweiliger, informativer und inspirierender Vortrag zu Ende, der beim Publikum großen Anklang fand und einmal mehr zeigte, wie viel Geschichte, Kultur und Zukunft in einem Apfel stecken.
Vorschau:
Die nächste Veranstaltung findet am Montag, 23.02.2026 im Musiksaal statt.
Herr Kurt Oesterle liest zum Thema: „Meine Großmutter und ihr ökologischer Fußabdruck.“

