Bürgerstiftung Fichtenberg - Vortragsreihe
Erstelldatum07.04.2026
Rückblick Vortrag "Magie der Mongolei" am 23.03.2026
„Magie der Mongolei“ – ein Abend voller Bilder, Begegnungen und leiser Magie
Fichtenberg. Weite Landschaften, flirrende Hitze über endlosen Sanddünen, das leise Schnauben von Pferden in der Steppe – und mitten hinein versetzt das Publikum im Musiksaal der Grund- und Werkrealschule: Mit seinem Multivisionsvortrag „Magie der Mongolei“ entführte Clemens Weller die Besucher auf eine Reise, die weit über reine Bilder hinausging. Es war ein Abend voller Eindrücke, Begegnungen und Geschichten – und vor allem ein Abend, der Fernweh weckte.
Bürgermeister Ralf Glenk eröffnete die Veranstaltung und würdigte Weller als „Fichtenberger Urgestein“. Hier geboren und dem Ort bis heute eng verbunden, kehre er immer wieder mit seinen Vorträgen zurück – und treffe dabei regelmäßig auf ein großes und interessiertes Publikum. Ob „Fichtenberger Zeitreise“, „KI – wir müssen reden“, „Fichtenberg von oben“ oder Reiseberichte aus Nepal und entlang der Seidenstraße – Weller stehe für Inhalte, die sowohl unterhalten als auch zum Nachdenken anregen.
Schon zu Beginn wurde deutlich, dass dieser Abend auch eine persönliche Geschichte erzählte. Weller erinnerte daran, dass er bereits 1987 in Fichtenberg seinen ersten Reisevortrag gehalten hatte – eine klassische Diaschau über die Türkei unter dem Titel „Landschaften – Menschen – Kulturen“. Diesem Leitmotiv sei er bis heute treu geblieben. Und genau dieser Ansatz prägte auch den aktuellen Vortrag – spürbar in jedem Bild, jeder Szene und jeder Erzählung.
Die Reise begann im Khangai-Gebirge – einer Region, die mit ihren grünen Tälern, Vulkanlandschaften und stillen Seen eine überraschend sanfte und zugleich eindrucksvolle Seite der Mongolei zeigt. Anders als bei klassischen Gruppenreisen waren Weller und seine Frau Ingrid nur zu zweit unterwegs – ohne festen Zeitplan, mit maximaler Flexibilität und der Freiheit, sich ganz auf Natur und Begegnungen einzulassen.
Einen besonderen Höhepunkt bildete die mehrtägige Wanderung durch die abgelegene Region der „Acht Seen“. Begleitet wurde das Paar von zwei Reitern mit insgesamt vier Pferden, die Gepäck, Zelte und Ausrüstung transportierten. Die deutschsprachige einheimische Reiseleiterin übernahm zugleich die Rolle der Köchin und bereitete mit erstaunlicher Improvisationskunst auf einem Gasgrill das Frühstück frisch zu – teilweise sogar mit selbst Gebackenem – und sorgte auch für die Verpflegung unterwegs.
Die Wanderung führte durch weite Wiesenlandschaften mit Herden von Yaks. Die Stille, die Weite und das einfache Leben in der Natur vermittelten eine Intensität, die viele Zuhörer besonders beeindruckte.
Zu den eindrucksvollsten Stationen im Khangai-Gebirge gehörten die Besteigung des Vulkankraters „Khorgo Uul“ sowie der Aufenthalt am „Terkhiin Tsagaan Nuur“, einem warmen See mit goldenem Sandstrand – Bilder, die viele so in der Mongolei nicht erwartet hätten.
Im zweiten Teil wechselte die Szenerie in die Gobi-Wüste – rau, weit und von monumentaler Schönheit. Hier erlebte Weller auch ein Naturereignis, das sich tief eingeprägt hat: Ein kurzer, aber heftiger Sandsturm zog auf. „Am Horizont kam plötzlich eine dunkle Wand auf uns zu“, schilderte er. Im Schutz eines Gebäudes gelang es ihm, die Szene mit der Kamera festzuhalten – inklusive des
eindrucksvollen, fast bedrohlichen Geräuschs des heranrollenden Sturms. Ein Moment, der im Vortrag für spürbare Spannung sorgte.
Ebenfalls unvergesslich blieb die gewaltige Sanddüne „Khongoryn Els“, rund 240 Meter hoch. Ihre Besteigung sei eine echte Herausforderung gewesen, berichtete Weller – ein Wechselspiel aus Anstrengung, Hitze und Staunen.
Doch es waren nicht nur Landschaften, die den Vortrag so besonders machten, sondern vor allem die Nähe zu den Menschen. Eindrucksvoll schilderte Weller den Besuch bei einer Nomadenfamilie. Nach dem gemeinsamen Stutenmelken wurde er in die Jurte eingeladen und erhielt als Zeichen besonderer Gastfreundschaft vergorene Stutenmilch. „Ich habe dankend angenommen und zumindest daran genippt“, erzählte er schmunzelnd – und sorgte damit für Heiterkeit im Saal.
Auch das Thema Essen sorgte für lebhafte Nachfragen. Weller gab offen zu, dass die fleischreiche Küche nicht ganz seinen Vorlieben entspreche. Gleichzeitig zeigte er, dass man als Tourist durchaus auch Vertrautes findet: „Man erkennt erstaunlich vieles aus dem heimischen Supermarkt wieder.“
Eine besondere Premiere war der Beitrag von Ingrid Weller, die erstmals einen Teil des Vortrags gestaltete. Sie widmete sich der überraschend vielfältigen Pflanzenwelt der Mongolei. Blühende Wiesen, farbenreiche Pflanzen und sanfte Landschaften ließen viele Zuhörer staunen – nicht wenige fühlten sich dabei an das Allgäu erinnert.
Eine ganz besondere Lebendigkeit erhielt der Vortrag durch die zahlreichen Videosequenzen, insbesondere aus dem Alltag der Nomaden. Szenen aus Jurten, vom Leben mit Tieren und vom Unterwegssein in der Steppe vermittelten eine unmittelbare Nähe. Ergänzt wurden diese Eindrücke durch eindrucksvolle Luftaufnahmen, die Weller mit einer kleinen Drohne aufgenommen hatte. Sie eröffneten Perspektiven auf Landschaften und Weiten, die vom Boden aus kaum erfassbar sind – und machten die Dimension dieses Landes auf besondere Weise sichtbar.
Das große Interesse des Publikums zeigte sich auch am Verlauf des Abends. Zahlreiche Fragen und lebhafte Gespräche führten zu einer deutlichen Überlänge. Auf die Frage, ob man den Vortrag verkürzen solle, gab es eine klare Antwort: Niemand wollte darauf verzichten. So folgte das Publikum der Reise bis in die Hauptstadt Ulaan Bator und erlebte zum Abschluss noch das farbenfrohe und lebendige Naadam-Fest.
Die Begeisterung war spürbar. Ein Besucher brachte es mit einem Schmunzeln auf den Punkt: „Jetzt habe ich viele Tausend Euro gespart – nach diesem Vortrag muss ich gar nicht mehr selbst in die Mongolei reisen.“
Wie bei Wellers Vorträgen üblich, stand auch diesmal eine Spendenbox für das Projekt „Haus der Hoffnung“ bereit, die vom Publikum ebenso bedacht wurde. Zusätzlich gingen Spenden an die Bürgerstiftung Fichtenberg, die die Veranstaltung organisiert hatte.
Am Ende blieb langanhaltender Applaus – und ein Gefühl, das sich nur schwer in Worte fassen lässt: die leise Magie eines fernen Landes, das für einen Abend ganz nah war.
