Bürgerstiftung - Vortragsreihe
Erstelldatum22.04.2026
Vorerst letzter Vortrag der Vortragsreihe. Rückblick zum Vortrag Gehrhofer Stutenrohmilch am 20.04.2026
Gehrhofer Stutenrohmilch – Lissi Langer gibt Einblicke in Ihren Betrieb
Im Rahmen der Vortragsreihe der Bürgerstiftung Fichtenberg fand am 20.04.2026 der vorerst letzte Vortrag statt. Weiter geht es wieder im Herbst.
Thema: „Gehrhofer Stutenrohmilch“.
Referentin des Abends war Lissi Langer, die den interessierten Zuhörerinnen und Zuhörer in ihrer freundlichen und offenen Art einen spannenden Einblick in ihre besondere landwirtschaftliche und eher ungewöhnliche Tätigkeit gab.
Entstanden ist die Idee, Stutenrohmilch zu produzieren während eines Praktiums im Rahmen ihres Studiums. Damals arbeitete sie auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Beuron an der Donau, auf dem Stutenmilch gewonnen wurde. Als die Betreiber mitteilten, dass sie ihre Tätigkeit aufgeben werden, entstand bei ihr der Gedanke, selbst Stutenrohmilch zu gewinnen. Die Möglichkeit ergab sich zudem noch, da sie den elterlichen Hof im Gehrhof übernehmen konnte. Natürlich waren einige Umbauten und Erweiterungsbauten notwendig, die sie zusammen mit ihrem jetzigen Ehemann alle selbst durchführten. So konnten Sie mit dem Betrieb im Jahr 2019 starten.
Wertvolle Erfahrungen sammelte Lissi Langer außerdem während ihrer Arbeit auf Schweizer Alpen. Mit einem Augenzwinkern bemerkte sie im Vortrag: „Wer einmal auf der Alm gearbeitet hat, weiß, was Arbeiten heißt.“ Im Vergleich dazu erscheine die Arbeit auf dem heimischen Hof fast weniger dramatisch.
Auch auf den historischen Hintergrund der Stutenmilch ging sie ein. Während in Mitteleuropa traditionell vor allem Kuhmilch genutzt wird, hat Stutenmilch in Ländern wie Russland und in der Mongolei eine lange Tradition. Interessant ist dabei auch der ernährungsphysiologische Aspekt: die Zusammensetzung der Stutenmilch ähnelt der menschlichen Muttermilch stärker als die der Kuhmilch. Mit einem Fettanteil von nur etwa einem Prozent wirkt sie zwar sehr dünn und wässrig, ist jedoch äußerst nährstoffreich – was sich auch daran zeigt, wie schnell ein Fohlen heranwächst.
Auf ihrem Hof hält Lissi Langer drei Stuten. Eine wichtige Voraussetzung für die Gewinnung der Milch ist, dass das Fohlen immer bei der Mutterstute bleibt. Sonst wird die Milchgewinnung bei der Stute sehr schnell eingestellt. Gemolken wird dreimal täglich. Insgesamt kann sie etwa 1,5 Liter Stutenmilch pro Stute je Melkgang für den Verkauf gewinnen. Der größere Teil bleibt selbstverständlich den Fohlen vorbehalten. Ganz nach dem Motto das auch auf der Homepage ihres Betriebs zu lesen ist „ Bei uns gilt der Grundsatz: Erst das Fohlen und dessen Mutter, dann alles andere.“
Die frisch gewonnene Stutenvorzugsmilch wird sofort in 250 gr.-Beutel abgefüllt und schockgefroren. Der Versand erfolgt über ihren Online-Shop und erfolgt per Express in speziellen Thermobehältern. Nach dem Auftauen muss die Milch zeitnah verzehrt werden, da sie sehr empfindlich ist und schnell „kippt“. Ihr Betrieb wird außerordentlich sensibel geprüft, da die Vorzugsmilch auch viel in Kliniken für die Säuglinge verwendet wird.
Stutenvorzugsmilch wird von vielen Menschen bei vorhandener Neurodermitis, Darmerkrankungen oder zur allgemeinen Stärkung des Immunsystems eingesetzt. Besonders in den Herbstmonaten steigt daher die Nachfrage. Im Sommer hingegen erfolgt auch aufgrund der Hitze nur wenig Versand. Hier weißt Frau Langer daraufhin, dass die Zuhörer ja einen örtlichen Vorteil haben und sie direkt zu ihr in den Gehrhof kommen können, um die wertvoll Milch zu erhalten.
Während ihres Vortrags bot Lissi Langer den Gästen auch kleine Kostenproben der Stutenrohmilch an. Viele der Zuhörerinnen und Zuhörer nutzten diese Gelegenheit gerne, auch wenn der Geschmack für manche ein ungewohntes Erlebnis darstellte.
Neben der Verwendung als Lebensmittel spielt Stutenmilch auch in der Kosmetik eine Rolle. Lissi Langer liefert dafür Milch an Hersteller von Biokosmetik. Im Anschluss ihres Vortrags hatten die Zuhörer die Gelegenheit, diese Produkte kennenzulernen und auch zu erwerben.
Am Ende des Abends waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig: Es war ein äußerst informativer und spannender Vortrag über eine ungewöhnliche landwirtschaftliche Nische.
Mit großem Applaus bedankten sie sich bei Lissi Langer für die interessanten Einblicke. Frau Langer stand im Anschluss für die Fragen der Zuhörer gerne zur Verfügung und es ergaben sich sehr viele angeregte Gespräche auch zwischen den Zuhörern.
Mit einem kleinen Präsent bedankte sich Stiftungsvorstand Bürgermeister Glenk bei der Referentin.
